Paar- und Sexualtherapie,     - Psychotherapie

Behandelbare Störungen
mit sexuellem Schwerpunkt
 
 
Appetenzstörungen:
Libidoverlust und Lustlosigkeit

Hierbei handelt es sich um Lustlosigkeit, d.h. das Ausbleiben oder „zu wenig“ sexuelle Lust oder auch Begehren (vgl. ICD-10 F 52.0). Entgegen landläufiger Meinung sind oft auch Männer betroffen.



In diesem Zusammenhang sei auch auf das Störungsbild gesteigertes sexuelles Verlangen (vgl. ICD-10 F 52.7) hingewiesen. Der geläufige Begriff "Nymphomanie" bei Frauen und der weniger bekannte Terminus "Satyriasis" bei Männern kennzeichnet das "zu viel" an Begehren und Lust.
 
 
Aversionen

Heftige körperlich-gefühlsmäßige Reaktionen werden als Aversionen bezeichnet. Wenn z.B. vor lauter Ekel die Muskelspannung steigt, jemandem übel wird usw. Eine Aversion ist immer auf einen/mehrere bestimmte Auslöser bezogen.
 
 
Erregungsstörungen



Bei Erregungsstörungen kann die Erregung gar nicht, wenig oder nur vorübergehend aufgebaut werden. Das kann sich bei Männern darin äußern, dass die Erektion nicht oder nicht vollständig aufgebaut wird (Erektionsstörung). Auch das frühzeitige Nachlassen der Erektion ohne einen Erguss fällt hierunter. Selbstredend ist auch die emotionale Erregung relevant, denn auch sie kann nachlassen. Es ist möglich, dass das Begehren und allgemein die Lust erst gar nicht entsteht oder nicht gehalten werden kann. Dies äußert sich bei Frauen z.B. im Nachlassen oder kompletten Ausbleiben der vaginalen Durchfeuchtung. Teilweise verbleibt die Erregung auf einem Niveau, welches nicht für die Durchführung des Geschlechtsverkehrs oder eine orgasmische Entladung der emotionalen wie körperlichen Spannung ausreicht (vgl. ICD-10 F 52.2).
 
 
Dyspareunie, Vaginismus und
postejakulatorisches Schmerzsyndrom

Grundlage dieser Störungen ist eine genital-muskuläre Dysfunktion. Das heisst: Die Muskeln im Genitalbereich spannen übermäßig stark an. Mit sexuell bedingten Schmerzen zählen die frauenspezifischen Symptomatiken Dyspareunie und Vaginismus zu den am weitesten verbreiteten weiblichen Sexualstörungen. Es wird geschätzt, dass mehr als 50% aller Frauen im Laufe Ihres Lebens bereits Schmerzen beim Verkehr erlebt haben.




Die Dyspareunie (vgl. ICD-10 F 52.6) beinhaltet regelmäßig Schmerzen bei genitaler Stimulation und beim Geschlechtsverkehr. Es kann bereits schmerzhaft sein, einen Tampon oder einen kleinen Finger in die Scheide einzuführen. Grund hierfür ist eine unwillkürliche, d.h. unabsichtliche und unkontrollierte Anspannung der Muskeln. Generell können betroffene Frauen zwar Geschlechtsverkehr haben. Sie leiden dabei allerdings unter Ziehen, Brennen, Druckgefühlen und sonstigen Schmerzen. Diese entstehen durch die Reibung des Penis in der durch die Muskelanspannung verengten Vagina. Die Schmerzen sind noch stunden- bis tagelang spürbar. Darüber hinaus birgt die Überreizung des Scheidengewebes die Gefahr von innervaginalen Verletzungen. Der Selbstschutz der Haut ist beeinträchtigt und Erreger können leicht eindringen. Pilzinfektionen treten gehäuft auf. Die Sexpartner bemerken dies oft nicht. Viele Betroffene sprechen aus Scham nicht darüber, da es keinen objektiven Nachweis gibt. Sie befürchten, als überempfindlich oder "frigide" abgestempelt zu werden.
Bei der Dyspareunie vertreten Ahnungslose die Ansicht, die Frau müsse "nur häufig genug Sex haben, um sich vaginal zu weiten". Derartige Vorgehensweisen sind kontraproduktiv und sorgen dafür, dass sich die Symptomatik verschlimmert. Es kann sich eine Phobie oder gar eine Aversion ausbilden. Schließlich prägt sich jede weitere Schmerzerfahrung tief ein als Spirale von:       
 
      Sex => Schmerz => Angst => Anspannung => Schmerz => Angst => ...
 
Beim Vaginismus (vgl. ICD-10 F 52.5) ist der Verkehr wiederholt massiv beeinträchtigt bis unmöglich, da sich die Beckenbodenmuskulatur der betroffenen Frau verkrampft. Viele von ihnen  können keine Tampons benutzen und keine gynäkologische Untersuchung des inneren Geschlechts durchführen lassen. Bereits das Einführen des kleinen Fingers in die Scheide ist unmöglich. Oftmals beginnt die Verspannung bereits bei den Oberschenkeln. Das Geschlecht macht im übertragenen Sinne „zu“. Ein Eindringen ist i.d.R. nicht möglich.
 
Schmerzhafte genitale Muskelspasmen bei Männern während der Penetration werden unter die Dyspareunie gefasst. Nach dem Erguss auftretende Krämpfe werden als postejakulatorisches Schmerzsyndrom bezeichnet. Der Geschlechtsverkehr kann vorher im Regelfall durchgeführt werden kann. Vielen Männern verleidet es deutlich den Geschlechtsverkehr, da die zugrunde liegende Muskelverspannung zu massiven Beschwerden führen kann. Wie im Zusammenhang mit der Dyspareunie bei Frauen erläutert, entsteht auch hier rasch eine Spiralentwicklung aus Schmerzen, Angst und erhöhter Muskelspannung (s.o.).
 
Interstitielle Cystitis (IC) und
"Painfull bladder Syndrom" (= schmerzhafte Blase)

Symptome können sein:
• erhöhter, so genannter imperativer Harndrang, der vereinzelt bis zu 60 mal täglich auftritt
• Schmerzen beim Wasserlassen
• Harnröhrenschmerzen und -bluten (insbsondere nach Katheterisierung)
• brennende, stechende, schneidende, reißende Schmerzen in der Blase
• die Blase kann nur geringste Mengen von Urin aufnehmen
• Druck und Schmerz des Beckens, des unteren Bauchraumes und des Dammes/Perineums.




Die IC ist eine schwer zu stellende Diagnose mit geringem Bekanntheitsgrad, die zu 95% Frauen betrifft. Sie beinhaltet eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Blase (mit oder ohne Entstehung "Hunnerscher" Geschwüre und Einblutungen), zwischen bzw. in der Blasenschleimhaut und der sie umgebenden Muskelwand. Diese führt bei fortschreitender Erkrankung zu Veränderungen im Interstitium (= Zwischenraum zwischen Körperorganen und -geweben), woraus der Name "Interstitielle Zystitis" (Zystitis = Entzündung der Harnblasenschleimhaut z.T. mit Beteiligung tieferer Wandschichten und des paravesikalen Bindegewebes) abgeleitet wird. Die Krankheit verläuft in Schüben. Zu Beginn der Erkrankung treten bei vielen Patienten wiederholt bakterielle Harnwegsinfekte mit Harnröhrenschmerzen oder sogenannte "Reizblasenbeschwerden" mit Drangsymptomatik auf (auch ohne jeglichen Bakteriennachweis!). Bei der IC handelt es sich um eine bis heute nicht völlig geklärte Erkrankung.Sie wird oft als Blasenschwäche, überaktive Blase, psychosomatische Erkrankung oder Schmerzneurose fehldiagnostiziert. Die IC ist nicht psychisch bedingt. Psychische Auffälligkeiten entwickeln sich jedoch in vielen Fällen in Folge der Erkrankung durch den erheblichen Leidensdruck. Aus Untersuchungen geht hervor, dass die Verabreichung spezieller Antidepressiva die Schmerzsymptomatik vielfach lindern kann.
 
Die Diagnostik und die Behandlung von IC-Patienten stellt eine besondere Herausforderung dar, wenn das Störungsbild überhaupt erkannt wird. Nur äußerst selten kann die Erkrankung - evtl. nur im sehr frühen Stadium - ausgeheilt werden. Je früher eine Therapie begonnen wird, um so bessere Erfolgschancen sind zu erwarten. Die Behandlung ist immer sehr stark individuell ausgerichtet. Bis heute gibt es keine standardisierte Behandlung, die für alle Patienten mit IC wirksam ist.
 



Ejakulationsstörungen

Ejakulationsstörungen (vgl. ICD-10 F52.4) beinhalten einen vorzeitigen Samenerguss binnen weniger Stöße nach dem Eindringen des Penis oder auch bereits vor der Penetration.
 
Orgasmusstörungen und Anorgasmie




Orgasmusstörungen beziehen sich auf den verzögerten oder ausbleibenden Orgasmus  trotz zureichender Stimulation (vgl. ICD-10 F 52.3). Diese Definition ist nicht unproblematisch, denn wann ist die Stimulation zureichend? Eine höchst umstrittene Frage.
 
 
Sexualphobie

Die Sexualphobie (vgl. ICD-10 F 52.1) beinhaltet eine Angstreaktion. Sexuelle Aktivitäten werden vermieden. (Eine spezialisierte Variante ist die Genitophobie. Diese bezieht sich auf das eigene Genital und / oder das Geschlecht des Partners.)
 
 
Weitere Themen



Unabhängig von den oben genannten Funktionsstörungen suchen Einzelpersonen und Paare meine Praxis auf, weil es Schwierigkeiten rund um Themen wie Fetischismus, sexuelle Orientierung, BDSM (Bondage & Dominanz & Sadismus & Masochismus), Pornos, Sextoys, zuviel / zuwenig Sex, sexuelles Suchtverhalten (z.B. bezogen auf Pornos, Internet, Selbstbefriedigung, suchtartiges Verlangen nach neuen sexuellen Eroberungen bei der "Erotomanie"), Zwangsgedanken und –handlungen, Seitensprünge, Partnertausch und Swinger-Clubs, Dark Rooms, Prostitution, Übergriffe von Partnern, Exhibitionismus und Voyeurismus usw. geht. Und nicht zuletzt seien Themen genannt wie sexuelles Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit.
 
 
Diagnostik
Bei der Diagnose einer sexuellen Funktionsstörungen ist es wichtig, im Vorfeld eine körperliche Abklärung durch einen Arzt  vornehmen zu lassen. Der Grund hierfür ist, dass manchmal eine medizinische Behandlung ausreicht, um die Beschwerden zu lindern oder gänzlich zu beheben. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ein Mann unter Erektionsproblemen leidet, weil durch ein venöses Leck (durchlässige Stelle in einem Blutgefäß) der Blutzufluss in den Penis nicht ausreichend gelingt, bedarf es zu allererst einer medizinischen Behandlung. Eine Sexualtherapie würde gegebenenfalls begleitend oder im Anschluss hieran erfolgen. Schließt der Facharzt hingegen körperliche Ursachen  aus, kann sinnvollerweise eine Sexualtherapie beginnen.
 
Um es zu veranschaulichen: Wenn ein Mann keinen Sex möchte, da er aufgrund einer Phimose (Vorhautverengung) Schmerzen bei der Erektion hat, kann eine fachkundige urologische Behandlung vielleicht schon ausreichen. Oder wenn eine Frau durch eine Chemotherapie unter dem Rückgang der vaginalen Schleimhaut leidet, wären zunächst gynäkologische Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen.
 
 
Sexualtherapie und Traumatisierungen
Manchmal zeigt sich im Laufe einer Therapie, dass Patienten in der Vergangenheit traumatisiert wurden. Dies kann n.a. durch eine sexuell aufgeladene Atmosphäre im Elternhaus geschehen sein, durch Übergriffe, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, grenzüberschreitendes Verhalten in Partnerschaften, Zwangsprostitution, genitale Verletzungen und Eingriffe, Verstümmelungen, traumatische erfahrungen bei der Entbindung eines Kindes u.v.m. Sexualtherapie versteht sich nicht als spezifische Traumatherapie. Sie berücksichtigt jedoch selbstredend massive seelische Verletzungen in jeglicher Form.